4 Fragen an den Vorstand

Wie kann der Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft gelingen – und welche Verantwortung tragen Unternehmen wie die GESOBAU dabei?

Franzen: Alle müssen ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Zukunft leisten – insbesondere die Wirtschaft. Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst und gestalten den Wandel aktiv mit. Als städtisches Wohnungsbauunternehmen ist es unsere Aufgabe, Wohnraum für breite Schichten der Bevölkerung bereitzustellen. Um nachhaltiges und bezahlbares Leben in der Stadt auch in Zukunft zu ermöglichen, werden wir unseren Bestand bis zum Jahr 2026 auf rund 52.000 Wohnungen erweitern – das entspricht einem Neubauinvestitionsvolumen von deutlich mehr als einer Milliarde Euro. Neben dieser sozialen Verantwortung stehen wir auch in der Pflicht, den Anforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes gerecht zu werden. Dabei wissen wir: Nur in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Akteur*innen können wir die Herausforderungen von heute und morgen meistern.

Wilkens: Nachhaltigkeit ist für die GESOBAU kein abstraktes Konzept, sondern konkrete Arbeitsaufgabe: Wir haben bereits vor vielen Jahren damit begonnen, das Unternehmen und unsere Geschäftstätigkeit an den Leitlinien der Nachhaltigkeit auszurichten. Das ist ein kontinuierlicher und andauernder Prozess. Die drei Nachhaltigkeits­dimensionen Wirtschaftlichkeit, Ökologie und soziale Verantwortung spielen dabei zusammen. Nicht zuletzt geht es auch darum, unser Geschäftsmodell fit für die Zukunft zu machen: Denn indem wir nachhaltig wirtschaften, werden wir resilienter gegenüber globalen Risiken wie der Erderwärmung.

„Nur in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Akteur*innen können wir die Herausforderungen von heute und morgen meistern.“

Jörg Franzen, Vorstandsvorsitzender – GESOBAU AG

Stichwort Klimaschutz – welche Bedeutung hat das Thema für die GESOBAU?

Franzen: Klimaschutz ist eines unserer vordringlichsten Themen, denn die Wohnungswirtschaft zählt zu den CO2-intensivsten Branchen. Wir verstehen Klimaschutz ganz klar als Verpflichtung und handeln dementsprechend. Bereits heute spart die GESOBAU CO2-Emissionen in Bestand und Neubau ein. Und wir haben ambitionierte Ziele: Derzeit entwickeln wir eine Strategie, mit der wir unseren Gebäudebestand bis 2050 in eine klimaneutrale Zukunft führen können. Auch beim Thema Klimaschutz sind gute Partnerschaften entscheidend. Daher haben wir uns der Initiative Wohnen.2050 angeschlossen. In diesem Zusammenschluss teilen wir mit anderen Unternehmen der Wohnungswirtschaft unser Wissen zu Klimaschutz und -neutralität, unterstützen einander und arbeiten gemeinsam an Themen wie Finanzierung, Bilanzierung und Strategieentwicklung.

Wilkens: Unsere Mitarbeiter*innen sind beim Klimaschutz ebenfalls eng eingebunden. 2020 haben wir sie mit unserem Unternehmensziel „All days for future“ aufgerufen, in ihrem Berufsalltag CO2-Emissionen einzusparen, das heißt die Treppe anstelle des Aufzugs zu nehmen oder Dienstfahrten per Fahrrad oder E-Auto zu erledigen. Das Unternehmensziel haben wir auch für 2021 mit unseren Mitarbeiter*innen vereinbart. Und mit unserem neuen betrieblichen Mobilitätskonzept setzen wir Anreize, damit sich unsere Beschäftigten für klimafreundliche Fortbewegungsmittel wie ÖPNV, Rad oder E-Fahrzeug entscheiden.

Ein umfassendes Mobilitätskonzept ist auch Teil der größten Neubauoffensive der GESOBAU: dem Quartier „Stadtgut Hellersdorf“. Was macht dieses neue Wohngebiet so besonders?

Franzen: In Hellersdorf schaffen wir in den kommenden Jahren ein lebendiges, gemischtes Stadtquartier rund um das denkmalgeschützte historische Stadtgut. Auf sieben Baufeldern entstehen bis 2023 rund 1.500 Wohnungen mit bezahlbaren Mieten. Ein großer Teil wird als geförderte Wohnungen dem Berliner Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen. Die komplette Energieversorgung wird klimaneutral. Das gesamte Quartier wird verkehrsarm geplant und auf eine gute Anbindung an den ÖPNV ausgerichtet. In Kooperation mit den Berliner Verkehrsbetrieben werden beispielsweise vier Jelbi-Stationen eingerichtet. Dort können nicht nur Autos, Fahrräder oder Roller gemietet, sondern auch Taxis oder Ridesharing-Angebote gerufen werden.

Wilkens: Diese verkehrsarme Planung war den Anwohner*innen sehr wichtig. In einem umfassenden Beteiligungsprozess haben wir sie zu ihren Wünschen und Anforderungen an das neue Quartier befragt. Auch Gewerbetreibende, Initiativen vor Ort und weitere interessierte Berliner Bürger*innen konnten sich einbringen. Dabei sprachen sich viele Teilnehmer*innen für nachhaltige Mobilität und weniger Autoverkehr aus. Als landeseigenes Wohnungsbauunternehmen wollen wir auch beim Thema Partizipation Vorbild sein. Denn uns ist bewusst: Vorhaben wie diese brauchen die Akzeptanz und das Wissen der Bürger*innen vor Ort. Bei der Planung des Quartiers Stadtgut Hellersdorf haben wir daher erstmals die mit der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform entwickelten Leitlinien für Partizipation im Wohnungsbau angewendet.

Christian Wilkens (Vorstand) und Jörg Franzen (Vorstandsvorsitzender)
© GESOBAU AG

2020 war natürlich geprägt von der Covid-19-Pandemie. Wie ist die GESOBAU den Herausforderungen begegnet?

Franzen: Zu Hause wohnt und lebt man nicht nur. Das eigene Zuhause ist auch ein wichtiger Schutzraum – und dieser sollte gerade in Krisenzeiten Sicherheit bieten. Corona hat für viele Menschen finanzielle Belastungen mit sich gebracht. Gemeinsam mit den anderen kommunalen Wohnungs­baugesellschaften haben wir daher gleich zu Beginn der Pandemie schnell gehandelt und das sogenannte BerlinFairsprechen gegeben. Dies beinhaltet unter anderem den Verzicht auf Corona-bedingte Räumungen während der Pandemie, die Möglichkeit zur Zahlung von Mietschulden in Raten, der Stundung der Miete und den Verzicht auf Verzugszinsen. Und mit der Initiative „GESOBAU zu Besuch am Telefon“ unterstützen wir ältere Mieter*innen, die besonders unter den Kontaktbeschränkungen leiden mussten. Es war und ist zudem beeindruckend zu sehen, wie sich die Nachbar*innen in unseren Beständen gegenseitig helfen – natürlich auf Distanz. Hier sieht man: Physischer Abstand heißt eben nicht menschlicher Abstand.

Wilkens: Auch als Arbeitgeberin hat die GESOBAU frühzeitig reagiert – mit einem bereichsübergreifenden Corona-Krisenstab und umfassenden Hygienekonzept. Die Pandemie hat die Digitalisierung in vielen Bereichen beschleunigt, auch bei uns: Unsere Arbeitsprozesse sind deutlich agiler und mobiler geworden. Wir waren hier schon vor der Pandemie sehr gut aufgestellt. Auch dahingehend sind wir gemeinsam gewachsen. Es ist gelebter Teil unserer Unternehmens­kultur, unseren Mitarbeiter*-innen zuzuhören, ihre Wünsche und Anforderungen ernst zu nehmen und zu integrieren. Dieser offene Austausch hat dafür gesorgt, dass wir die Corona-Pandemie gemeinsam gut bewältigen können. Dank der Kraft, Geduld und Ausdauer unserer Mitarbeiter*innen gehen wir als GESOBAU gestärkt aus der Pandemie hervor. Der tolle Zusammenhalt bei der GESOBAU zeigt sich auch darin, dass wir für das Jahr 2020 erneut als „Bester Arbeitgeber“ in Berlin-Brandenburg in der Kategorie „Unternehmen über 250 Mitarbeitende“ beim Arbeitgeberwettbewerb „Great Place To Work®“ ausgezeichnet wurden.

Es ist gelebter Teil unserer Unternehmens­kultur, unseren Mitarbeiter*innen zuzuhören, ihre Wünsche und Anforderungen ernst zu nehmen und zu integrieren. Dieser offene Austausch hat dafür gesorgt, dass wir die Corona-Pandemie gemeinsam gut bewältigen können.“

Christian Wilkens, Vorstand – GESOBAU AG